Augenoperationen
Vorab ein Tipp für alle Augenuntersuchungen – müde Piloten sehen schlechter !!! – also nur ausgeruht zum Augentest erscheinen. Auch sollte immer optimales Licht bei der Untersuchung herrschen. Nach einem Refraktiv-chirurgische Eingriffe am Auge ruht das Medical. (siehe unter Aktuelle Augenbestimmungen)
Refraktive Eingriffe werden primär bei einer Myopie, d.h. Kurzsichtigkeit angewandt. Es werden dabei mit dem Laser Hornhautschichten entfernt, so dass sich insgesamt die Brechkraft unseres optischen Apparates verändert.
Es gibt mehrere refraktive Verfahren:
Bei der PRK (Photorefractive Keratectomie) wird mit dem Laser ein Teil der oberflächlichen Schicht der Hornhaut abgetragen. Im Vergleich zur Lasik und Lasek ist die PRK risikoärmer, es werden pro Dioptrie, die zu korrigieren ist, circa 15 Mikrometer Hornhaut abgetragen. Bei einer durchschnittlichen Gesamtdicke von über 500 Mikrometer werden also bei z.B. 5 Dioptrien Korrektur 75 Mikrometer abgetragen, es bleiben also über 425 Mikrometer übrig, das würde auch die Anforderung der Bundeswehr an Jetpiloten noch erfüllen. Die PRK ist mit größeren postoperativen Schmerzen verbunden und die Heilung dauert länger als bei nachfolgenden Methoden.
Bei der Lasik (Laser in situ Keratomileusis) wird zuerst ein Hornhautlappen (sogenannter Flap) abgetragen, darunter Hornhautgewebe entfernt und dann der Hornhautlappen zurückverpflanzt. Im Gegensatz zur PRK führt die Lasik zu schnellerer Wiederherstellung des Sehvermögens und ist weniger schmerzhaft. Aber der technische Aufwand ist wesentlich grösser und daraus resultiert eine höhere Komplikationsrate.
Das Hornhaut-Epithel ist circa 70 Mikrometer, der Flap circa 130 Mikrometer dick, die Gewebsentfernung für 5 Dioptrien Korrektur circa 75 Mikrometer, so dass die Dicke der Resthornhaut über 230 Mikrometer beträgt. Der wiederaufgesetzte Flap zählt nicht mehr zur Hornhautdicke, da er über viele Jahre nicht einwächst und so nicht zur Stabilität der Hornhaut beitragen kann.
Das Problem der dünnen Resthornhaut besteht unter anderem in der Gefahr einer Keratokonus-Bildung, dabei wird die Hornhaut durch den Augeninnendruck nach außen hin ausgebeult, was unter anderem wieder die Brechkraft verändert. Erhöhter Augeninnendruck tritt auch bei gesunden Personen wie zum Beispiel bei Pressatmung, Geburt, Achterbahnfahren etc. auf.
Bei der Lasek (Laser epithelial keratomileusis) wird im Gegensatz der Lasik kein Schnitt in die Hornhaut gemacht, sondern nur die oberflächliche Schicht (Epithel) beiseite geschoben und nach der Abtragung von Hornhautgewebe durch den Laser wieder an Ort und Stelle gebracht. Die Lasek- Methode ist das neueste Verfahren und verbindet die Vorteile der beiden anderen Methode bei gleichzeitiger Vermeidung der Nachteile von Lasik und PRK.
Der effektiver Hornhautverlust beträgt hier circa 70 Mikrometer für das Epithel und 75 Mikrometer für die Korrektur von 5 Dioptrien, so dass eine Resthornhaudicke von über 360 Mikrometer bleibt.
Prof. Seiler, Leiter der Abteilung für refraktive Chirurgie der Universität Zürich und profunder Kenner der Materie weist darauf hin, dass durch die refraktiven Eingriffe zwar die Sehschärfe verbessert wird, aber die Sehqualität unter den obigen Standardverfahren vermindert wird. Zum Beispiel das Dämmerungssehen wird verschlechtert, die Blendung durch Licht wird verstärkt etc. Dies ist leicht nachvollziehbar, da es durch den Eingriff zu induzierten(also durch den Eingriff verursachten) zusätzlichen Abberationen kommt.
Das menschliche Auge weist, wie alle optischen Apparate- neben Kurz-Weitsichtigkeit und Astigmatismus – zusätzlich noch weitere Fehler höherer Ordnung auf, so genannte optische Aberrationen, wie zum Beispiel die sphärische Aberration und die Koma. Fallen parallele Lichtstrahlen in ein Auge, dann werden sie im idealen, aberrationsfreien Fall in genau einem Punkt fokussiert, der im normalsichtigen Auge in der Netzhaut liegt. Bei normalen Augen ist dies allerdings fast nie der Fall, der Bildpunkt ist unscharf und verzogen.
Abbildung ohne Abberation und mit Abberation.
Erst seit etwa zehn Jahren ist es möglich, die Verzerrungen mit so genannten Aberrometern (Wellenfrontanalysern) quantitativ zu vermessen und seit kurzem mit Hilfe des Excimerlasers auch zu korrigieren. Größere Studien an Augen mit normalem Sehvermögen zeigten, dass das Durchschnittsauge eine im technisch-optischen Sinne bei normaler Pupillengröße eine gute Optik aufweist. Bei weiten Pupillen, wie sie zum Beispiel nachts auftreten, spielen aber die Aberrationen eine gewichtigere Rolle, was dazu führt, dass bei vergrößerter Pupille die größten Visusverluste zu verzeichnen sind.
Nachtsehschärfe ohne Aberration versus Nachtsehschärfe mit Aberration.
Seit 1999 wird daher die topographiegeführte und oder wellenfrontgeführte Lasik durchgeführt, die laut Prof. Seiler als neuer Standard gilt . Durch diese Methode wird die induzierte Abberation wesentlich vermindert. Es wird individuell für das Auge an jeder Stelle eine unterschiedlich dicke Hornhautschicht abgetragen.
Dr. Brandl, der sehr erfahrene flugophtalmologische Leiter des flugmedizinischen Instituts der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck -gleichzeitig AMC- sieht in Bezug auf Tauglichkeit auch alle 3 Verfahren als gleichwertig an. Auch gibt es für ihn kein bestimmtes Minimum der Rest-Hornhaudicke für die Tauglichkeit. Aber die Gefahr der Entstehung eines Keratokonus (Vorwölbung der Hornhaut) bei zu dünner Resthornhaut muss beachtet werden – siehe oben.